Eindrücke und Gedanken zur Veranstaltung „Palantir als Baustein der autoritären Wende“ am 30.4.2026 im Triangel Karlsruhe

Der Abend war gut besucht, das Interesse am Thema Überwachung und Autoritarismus war deutlich zu spüren.

Auf dem Podium saßen der Informatiker Nan vom Chaostreff Tübingen und der Politikwissenschaftler Christopher Coenen.

Beide lieferten fundierte, differenzierte und sehr anregende Impulsvorträge, die das Publikum zum Nachdenken und Diskutieren brachten.

Im Mittelpunkt standen Fragen rund um Videoüberwachung, Vorratsdatenspeicherung und die Software „Gotham“ der US-Firma Palantir – ein System, das weltweit riesige Mengen an Personendaten für Ermittlungs- und Überwachungszwecke bündelt und auswertet.

So drehte sich der Abend immer wieder um die zentrale Frage:

Wie weit sind wir auf dem Weg in eine Gesellschaft, in der jeder unter Generalverdacht steht?

Im Verlauf der Diskussion stellte ich eine Frage, die im Raum hängen blieb:

Wie kann man sich überhaupt noch schützen, wenn Überwachungssysteme wie Palantir mit Wahrscheinlichkeiten arbeiten – und schon das bloße Fehlen von Daten verdächtig macht?

Als ich dazu ein historisches Beispiel aus der Zeit der Rasterfahndung erwähnte, merkte ich, wie schnell im Raum eine gewisse Zurückhaltung entstand – vielleicht aus Sorge, mit „heiklen“ Themen in Verbindung gebracht zu werden. Die Antwort wich dann auch rasch auf allgemeine Empfehlungen wie „weniger Social Media“ aus.

Gerade von Expert:innen überrascht mich das immer wieder: Wie schnell die Verantwortung auf das Individuum geschoben wird, statt die Systemfrage zu stellen.

Der Ratschlag, sich einfach aus dem digitalen Leben zurückzuziehen, ist meiner Meinung nach so hilflos wie der Tipp, keine auffallende Kleidung zu tragen, um nicht Opfer zu werden.

Ich glaube, diese Reaktion ist bezeichnend für die Unsicherheit, die viele mit dem Thema Überwachung empfinden.

Niemand will in den Verdacht geraten, „etwas zu verbergen“ zu haben, doch die eigentliche Frage bleibt:

Warum müssen wir uns überhaupt rechtfertigen, wenn wir Privatsphäre wollen?

Sollte nicht vielmehr das System hinterfragt werden, nicht das Verhalten des Einzelnen?

Als Künstlerin und Filmemacherin beschäftigt mich das Thema Überwachung schon lange.

In meinen Videos wie „Wer nichts zu verbergen hat, hat nichts zu befürchten, jeder ist ein Polizist“

und „Privacy 2.0“

mache ich die Ambivalenz zwischen Freiheit und Kontrolle sichtbar. In meinen Arbeiten geht es darum, dass Überwachung nicht nur Sicherheit schafft, sondern auch neue Formen von Tarnung, Misstrauen und sozialer Maskerade hervorbringt.

Meiner Meinung nach ist das die eigentliche Gefahr:

Dass wir uns an die Rolle als „gläserner Mensch“ gewöhnen, uns immer stärker selbst zensieren – und am Ende nicht mehr wissen, wo unser wahres Ich aufhört und unsere digitalen Personae beginnen.

Mein Wunsch für kommende Veranstaltungen:

Mehr künstlerische Perspektiven, mehr Raum für Ambivalenz und Widerspruch, mehr Mut zu echten Fragen.

Vielleicht kann daraus eine Diskussionsreihe entstehen, in der Technik, Politik und Kunst gemeinsam nach Antworten suchen – und manchmal auch einfach gemeinsam aushalten, dass es keine einfachen Lösungen gibt.

Danke an Triangel, die Referenten und das Publikum für einen inspirierenden Abend – und die Einladung, weiterzudenken.