Im Juni 2013 erlebte das Langzeitprojekt URBANITY einen besonderen Höhepunkt: Ein intensives Wochenende voller Fotoshootings, Videoaufnahmen und performativer Aktionen an verschiedenen urbanen Schauplätzen in und um Karlsruhe. Nach langer Vorbereitung habe ich gemeinsam mit dem renommierten Fotografen Berti Weichert aus Stuttgart, Kameramann Chris Seibert und einem hochmotivierten Team von Performerinnen eine künstlerische Expedition durch den Stadtraum unternommen.
Unsere Route führte uns unter anderem nach Wörth, Mühlburg, Daxlanden und an den Karlsruher Rheinhafen – Orte, die auf den ersten Blick alltäglich erscheinen, aber bei genauerem Hinsehen voller Zeichen, Codes und urbaner Ästhetik stecken. Besonders prägend war die Aktion am Entenfang in Karlsruhe-Mühlburg, einem lebendigen Verkehrsknotenpunkt, an dem wir mit unserer Performance auf zahlreiche Passanten trafen und für Irritation, Neugier und Gesprächsanlässe sorgten.
Eine der zentralen Aktionen war eine performative Intervention, bei der wir – jede und jeder von uns ein altes Kunstforum-Buch in der Hand – laut und gleichzeitig Passagen aus den Büchern lasen. Die Stimmen mischten sich zu einem vielstimmigen, asynchronen Klangteppich aus Kunstsprache, Theoriefragmenten und zufälligen Wortbegegnungen. Während wir uns bewegten, blieben wir auf Kommando in skulpturalen Posen stehen und wiederholten das letzte Wort im Crescendo und Decrescendo. Es entstand ein faszinierendes Wechselspiel aus Bewegung, Sprache und urbaner Kulisse, das die Grenzen zwischen Kunst, Alltag und öffentlichem Raum auflöste.
Im weiteren Verlauf der Performance griffen wir typische Kunstbegriffe wie „Ästhetik“, „Dialog“ oder „Diskurs“ auf – aber auch abgegriffene, allgegenwärtige Schlagworte. Jeder von uns wählte ein Wort und setzte es körperlich um: Mit einer Choreografie aus Schattenboxen und Kung-Fu-ähnlichen Bewegungen, Schlägen und Tritten kämpften wir – bewusst asynchron – mit und gegen die Begriffe. Die Passanten wurden Zeugen eines lebendigen, manchmal irritierenden Spiels mit Sprache, Körper und städtischer Umgebung. Nicht wenige blieben stehen, schauten, diskutierten oder filmten mit ihren Handys – und wurden so selbst Teil des urbanen Experiments.
Berti Weichert gelang es, diese flüchtigen Momente mit seiner Kamera einzufangen – seine Bilder dokumentieren nicht nur die Aktionen, sondern auch die Reaktionen des Stadtraums: Verwunderung, Lachen, Irritation, Neugier. Unterstützt von Chris Seibert am Video, entstand ein vielschichtiges Archiv aus Portraits, Flashmob-Actionfotos und surrealen Motiven, das das Spannungsfeld zwischen Kunst und Alltag in der Stadt sichtbar macht.
Für mich war dieses Wochenende ein Paradebeispiel für das, was URBANITY ausmacht: Die Stadt als Bühne, Kunst als Intervention, Sprache und Körper als Werkzeuge, um gewohnte Muster zu durchbrechen und neue Perspektiven zu eröffnen. Es war auch ein Gemeinschaftserlebnis – mein Dank gilt dem gesamten Team: Petra Schwager, Elena Liokumovich, Esther Mattes, Tanja Hörst, Berti Weichert und Chris Seibert.
Viele der entstandenen Bilder, Videos und Eindrücke werden in den kommenden Beiträgen und Modulen von URBANITY weiter zu sehen und zu hören sein. Weitere Impressionen, Songs und Beiträge zum Projekt finden Sie in der Kategorie URBANITY.


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