„Music and Snow for Rabbits“ ist eine Videosequenz, die im weitesten Sinne auch zu meinem Zyklus „Animals and Emotions“ gehört. Das Video entstand im Winter und zeigt eine verschneite Landschaft, durch die – manchmal fast unbemerkt – Hasen hoppeln. Die Gesamtlänge des Videos beträgt etwa eine Stunde. Immer wieder habe ich einzelne Snippets daraus in unterschiedlichen Setups und Konzertprogrammen verwendet, sodass das Material je nach Kontext eine neue Bedeutung erhält. Das Werk ist all den Kaninchen und Hasen auf der Welt gewidmet. Doch was bedeutet das eigentlich – „für alle Hasen auf Erden“? Hasen gelten gemeinhin als niedlich, als sanfte Wesen, als Symbole für Unschuld und Frühling. Doch zugleich sind sie – wie so viele Tiere – Projektionsflächen für menschliche Bedürfnisse und Geschichten. Sie werden als Haustiere gekrault, als Pelzlieferanten genutzt oder landen auf dem Teller. Ich selbst bin kein Veganer, aber die Frage bleibt: Wie niedlich muss ein Tier sein, um nicht gegessen zu werden? Wann kippt die Projektion von „süß“ zu „nützlich“ oder „essbar“? In „Music and Snow for Rabbits“ geht es genau um diese Ambivalenz. Die verschneite Landschaft wirkt auf den ersten Blick idyllisch, fast märchenhaft. Der Schnee glitzert, die Tiere bewegen sich vorsichtig durch das Bild, als wären sie Teil einer friedlichen Wintergeschichte. Doch diese Idylle ist trügerisch. Die Kälte, die für viele Menschen mit Romantik, Weihnachten und Schönheit verbunden ist, bedeutet für andere – etwa für Obdachlose oder Tiere in freier Wildbahn – eine ganz reale Bedrohung. Die Gefahr verschwindet hinter der Projektion von „Schönheit“, „Idylle“ oder „Niedlichkeit“. Das Video und die Musik laden dazu ein, genau hinzusehen – nicht nur auf die Hasen, die sich manchmal fast unsichtbar durch das Bild bewegen, sondern auch auf die eigenen Projektionen und Wahrnehmungen. Was sehen wir wirklich? Was wollen wir sehen? Wie schnell verwandelt sich das „oh wie niedlich“ in „oh wie praktisch“ oder „oh wie lecker“? In meinen Konzerten und Installationen setze ich einzelne Ausschnitte aus „Music and Snow for Rabbits“ als Video-Snippets ein. Sie erscheinen wie musikalische Motive, tauchen auf, verschwinden, kehren zurück – und verändern je nach Kontext ihre Bedeutung. Die Musik, eigens komponiert, verbindet elektronische Klänge mit natürlichen Geräuschen und schafft einen Klangraum, in dem Idylle und Bedrohung, Niedlichkeit und Überleben, Projektion und Realität ineinanderfließen. „Music and Snow for Rabbits“ ist ein künstlerisches Statement über die Macht der Projektion, über die Ambivalenz der Wahrnehmung und über die Frage, wie wir Tiere, Natur und letztlich auch uns selbst sehen und behandeln. YouTube-Veröffentlichung: 31.01.2011 Konzept, Musik, Video, Performance: Isis Chi Gambatté.
Weitere Beispiele für meine Videosnippets und audiovisuellen Live-Kompositionen finden Sie in den Beiträgen Vögel – Animals and Emotions: Projektionen und Charaktere, Komponierte Bilder, gespielter Klang: Alles aus einer Hand, Was auch geschieht bleib dir treu! – Geometrische Gefühle als audiovisuelle Komposition und Elektronische Musik und Visuals – Promo-Video zur Premiere am 19. November 2009.


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